ma22167_Slideshow.jpg Kopie

Schloss Wilhelmshöhe, Stadtseite, Foto: MHK, Arno Hensmanns

moderne für jedermann

kunst und ware im jugendstil

Sonderausstellung in der Neuen Galerie • 23. Mai bis 13. September 2020


Jugendstil_Plakat_Entwurf.jpgPlaktatmotiv zur Sonderausstellung, studio m2m3, MHK

Der Jugendstil war eine frühe Reformbewegung der Moderne. Ziel und Ansporn der Künstler war es, die gesamte menschliche Lebensumwelt ästhetisch zu gestalten – von der Architektur bis zum Haushaltsgegenstand.

Die Blütezeit der Bewegung war kurz und trotzdem können viele Menschen Gestaltungsformen des Jugendstil sofort erkennen. Die Ausstellung geht der Popularität des Stils nach und zeigt auf, wie die daraus resultierende Massenproduktion zu einem Ausverkauf der Idee und somit zu ihrem frühen Niedergang geführt haben.

 

Hintergrund »Jugendstil«

MHK, Sarah Bernhardt Mucha, Foto Ute Brunzel, MHK

Der Jugendstil kann als frühe funktionale Gestaltungsform verstanden werden: Gestaltungsaufgaben werden individuell gelöst, je nach der Funktion der Gegenstände, wobei die Künstler sich eines bestimmten, von der Natur inspirierten Formenrepertoires bedienten. Blumen- und Blütenmotive, Schwäne und geschwungene Körperformen sind wiederkehrende Motive. Daneben entwickelte sich eine Gestaltungssprache mit abstrakten Formen, die von sogenannten »Kraftlinien« (Henry van de Velde) bestimmt sind. Vor allem im österreichischen Sezessionsstil gibt es zudem strenge geometrische Ausformungen.

Ursprünglich als Gegenbewegung junger Künstler*innen und Kunsthandwerker*innen zum als rückwärtsgewandt empfundenen Historismus und zur seelenlosen Industrialisierung gedacht, war der Jugendstil durch den Widerspruch zwischen den künstlerischen, zum Teil sogar elitären Ansätzen und der populären Adaption für Konsumgüter geprägt. Er war eine von zahlreichen internationalen Reformbewegungen in Europa und Nordamerika, die zwar unterschiedliche Ausprägungen aufweisen, aber in engen Wechselwirkungen miteinander stehen. Der Jugendstil weist den Weg zur modernen Formgestaltung und ist dabei voller Spannungen und Gegensätzen, die ihn bis heute so interessant und anregend machen.