Restaurierung

Viele Standorte - vielschichtige Aufgaben
Die Sammlungen der Museumslandschaft Hessen Kassel werden von neun Restauratorinnen und Restauratoren  betreut. Die Zuständigkeiten richten sich wesentlich nach Spezialgebieten und den Materialien, aus denen die Sammlungsgegenstände bestehen:


Die Bewahrung und Pflege von Sammlungsgut, welches die Hauptaufgabe der Restauratoren darstellt, gestaltet sich durch die Vielzahl der Standorte äußerst umfangreich und vielschichtig. So  handelt sich zum einen um Objekte, die in historischen Gebäuden vorrangig  als Ausstattungsgegenstände funktionieren und höfisches Leben illustrieren sollen, als auch um Sammlungsgut, welches in Museumsgebäuden unter musealen Bedingungen in unterschiedlichsten Themenbereichen  präsentiert wird. Wandfeste Ausstattungen in Schlössern sind gleichermaßen zu betreuen, als auch mobile Sammlungsstücke, die geschützt in Vitrinen oder unter idealen Bedingungen in Ausstellungsräumen und  Depots untergebracht  sind. Darüber hinaus unterliegen die  Außenskulpturen in den historischen Parkanlagen ebenso der Fachaufsicht der Restauratoren.

Zur konservatorischen Betreuung des Bestandes zählen unter anderem folgende Aufgaben:

- Überwachung der Klima- und Lichtverhältnisse in Ausstellungs- und Depoträumen. Die Gewährleistung von optimalen  
   Umgebungsbedingungen ist Grundvoraussetzung zur dauerhaften Erhaltung aller Kunstwerke.

- Überprüfung des sachgerechten Umgangs mit Objekten bei Ausstellungsauf- und -abbau

- Zustandskontrolle der Objekte während der Laufzeit von Ausstellungen

- Überprüfen der Ausleihfähigkeit eines Objektes bei Leihanfragen anderer Institutionen. Anfertigen von Zustandsprotokollen vor der Reise,
   Überprüfen von sachgerechter Verpackung und Begleitung der Objekte zu den Ausstellungsorten

- Fachliche Stellungnahme zum Neuerwerb oder Schenkungen von Objekten

 
Bild: Handling von Großformaten Bild: Zustandskontrolle einer Leinwand Bild: Pflege der Objekte beim Ausstellungsaufbau

 

Präventive Konservierung
Bei allen Aufgaben, die den Restauratoren obliegen, spielt die präventive Konservierung eine besonders große Rolle. Bei der präventiven Konservierung geht es in der Hauptsache um die Substanzerhaltung und Pflege der anvertrauten Objekte.  Dabei wird das Augenmerk hauptsächlich auf die Veränderung und Verbesserung der Umgebungsbedingungen gelegt die notwendig sind, um das Objekt so gut wie möglich vor schädlichen Einflüssen, zu schützen. Eine große Herausforderung diesbezüglich bieten hier die historischen Schlösser der Museumslandschaft, welche nicht wie die Museen klimatisiert werden können oder gravierende Veränderungen in der Bausubstanz  gegen das Eindringen von zu viel Licht durch die historischen Fenster zulassen.
Die präventive Restaurierung nimmt somit vor der effektiven Restaurierung einen sehr großen Raum ein. Nur  wenn unbedingt notwendig, werden konservierende Minimaleingriffe am Objekt selbst vollzogen welche in der Regel unsichtbar für das Auge des Besuchers sind.

Forschen
Zu Beginn einer konservatorischen oder auch restauratorischen Bearbeitung werden zunächst Herstellungstechnologie, Erhaltungszustand und Schadensursachen an einem Objekt untersucht. Eine Vielzahl von hochmodernen Gerätschaften (Auf- und Durchlichtmikroskope, Infrarot- und Röntgenanlage) bietet den Restauratoren die Möglichkeit selbst im Makrobereich komplizierteste kunsttechnologische Untersuchungen durchzuführen um detaillierte Aussagen zu Materialbeschaffenheit, Alter und auch Herkunft der Objekte zu gewinnen. Sind zur Bestimmung von Pigmenten, Bindemitteln  oder anderen Komponenten in den für das Objekt verwendeten Originalmaterialien weitere analytische Geräte und darüber hinaus das Wissen eines Naturwissenschaftlers gefragt, so wenden sich die Restauratoren an Forschungseinrichtungen, die sich auf Materialanalysen im Bereich von Kunst- und Kulturgut spezialisiert haben. So zählen z.B. das  Doerner Institut in München und das Ratgen-Forschungslabor in Berlin zu den herausragenden Institutionen auf diesem Gebiet. Alle gewonnenen Erkenntnisse werden mit  den Kunsthistorikern im Haus diskutiert. Sie können bei der Klärung unsicherer Datierungen helfen als auch die Grundlage für die weitere kunstwissenschaftliche Forschung bieten.

Restaurieren/Konservieren
Im Anschluss an eine eingehende Voruntersuchung des Objektes wird ein Konzept zur weiteren Verfahrensweise erstellt. Ein solches Konzept kann in eine umfangreiche Konservierung (Maßnahmen, die der puren Substanzerhaltung des Objektes dienen) als auch in eine komplexe, langwierige Restaurierung (Maßnahmen, die ästhetische Korrekturen am Objekt beinhalten) münden.  Dies geschieht in der Regel ebenso in enger Kooperation mit den für die jeweiligen Sammlungen zuständigen Kuratoren, denn das Ausmaß  der  Restaurierungsmaßnahmen ist unter Umständen auch von der zukünftigen Präsentation des Objektes von Bedeutung. Genaueres zu den aktuellen Restaurierungen in den verschiedenen Restaurierungsateliers der Museumslandschaft ist auf den folgenden Seiten nachzulesen.

Dokumentieren
Die Materialien, die bei einer Konservierung oder Restaurierung zur Anwendung kommen, müssen vorab sorgfältig auf ihre Eignung geprüft werden. Wichtige Kriterien bilden dabei die Alterungsbeständigkeit und die Verträglichkeit mit den originalen Materialen des Objektes. Die Ergebnisse der Voruntersuchung, die durchgeführten Restaurierungsmaßnahmen, und die dafür verwendeten Materialien werden in Wort und Bild in einer Dokumentation für künftige Generationen festgehalten.

Teamarbeit
Sind bei der Herstellung eines Objektes unterschiedliche Materialien verwendet worden, ist es oftmals erforderlich, dass Restauratoren der verschiedenen Fachdisziplinen die Bearbeitungsweise gemeinsam erörtern und durchführen. In solchen Fällen ist es oftmals vonnöten sehr spezielle Arbeitsmethoden zu entwickeln

 
Bild: Untersuchung im Markobereich Bild: Diskussion des Restaurierungskonzeptes Bild: Textilrestaurierung

 

Originalität
Ziel einer konservatorischen Bearbeitung ist es, das Objekt so vollständig wie möglich  in seiner  Originalität zu erhalten, vor weiterem Zerfall zu schützen, und durch die Schaffung optimaler Umgebungsbedingungen den Alterungsprozess der Materialien zu verlangsamen. Wichtiger Bestandteil der Erlebbarkeit von  Originalität bilden auch Gebrauchs- und Alterungsspuren. Häufig liefern diese interessanten Informationen über ihre Nutzungsweise sowie auch über frühere Besitzer, weshalb sie grundsätzlich erhalten und dem Museumsbesucher weitervermittelt werden sollten. Restaurierungen, die an beschädigten Objekten durchgeführt werden und zum Ziel haben, das Objekt in einen ästhetisch befriedigenderen Zustand zu versetzen sind niemals darauf angelegt, einen unversehrten Zustand vorzutäuschen. Vielmehr soll das Objekt in seiner Einzigartigkeit und mit den Spuren der Vergangenheit dem Museumsbesucher wieder nachvollziehbar und spürbar gemacht werden.

Restaurierungsateliers
Die Museumslandschaft Hessen Kassel verfügt über acht technisch sehr gut ausgestattete Atelierräume. Im Zuge der Neuordnung der Kasseler Museumslandschaft zogen 2010 sechs Ateliers, welche sich ehemals im Landesmuseum befanden, zusammen mit den dortigen Depots in ein neues Gebäude um und wurden u. a. durch erheblichen Raumzuwachs auf den modernsten Standard gebracht. Zwei weitere Restaurierungsateliers befinden sich im Schloss Wilhelmshöhe. Auch diese sollen im Zuge einer großen Sanierungsmaßnahme in ein anderes Gebäude umziehen und eine Modernisierung erfahren.

 
Bild: Gemälderestaurierung
Bild: Möbelrestaurierung

 

Ausbildung
In verschiedenen Fachbereichen werden unter anderem Praktikanten betreut, die sich in ein- bis zweijährigen Praktika auf das Hochschulstudium der Restaurierung zur Erlangung des Bachelors oder Masters vorbereiten.
Mit unterschiedlichen Hochschulen im Inland und im europäischen Ausland findet eine enge Zusammenarbeit statt, indem Objekte für Bachelor- oder Masterarbeiten zur Verfügung gestellt und studienbegleitende Praktika angeboten werden. Mehr dazu unter:
www.restauratoren.de

Externe Vergabe von Restaurierungsprojekten
Durch den Zuwachs von neuen Liegenschaften zur Museumslandschaft Kassel kann der enorme Restaurierungsbedarf nicht immer allein von den angestellten Restauratoren bewältigt werden. So werden unter Umständen freiberuflich tätige Restauratoren für sehr aufwändige Restaurierungen hinzugezogen, die gemeinsam  mit den hauseigenen Restauratoren  ein Bearbeitungskonzept entwickeln.

Restauratorenverband
Das Engagement für den Beruf des Restaurators ist vor allem auf berufspolitischer Ebene wichtig und wird von dem Restauratorenteam der MHK sehr ernst genommen. Der größte Verband in Deutschland und Europa ist der „Verband der Restauratoren“ (VDR), dessen Hauptanliegen ist, „ sich für die sachgerechte Bewahrung des Kunst-und Kulturgutes unter Respektierung seiner materiellen, kunsthistorischen und ästhetischen Bedeutung einzusetzen“. Mehr dazu unter:
www.restauratoren.de



Kontakt


Abteilungsleitung - Anne Harmssen  
Kunsthandwerk - Anne Becker  
Archäologisches Kulturgut - Barbara Häcker  
Möbel- und Holzobjekte - Carola Klinzmann  
Metallobjekte - Friedrich Trier  
Uhren - Michael Beck  
Textilobjekte - Julia Dummer  
Papier und Grafik - Ronald Reinke
Gemälde/ polychrome Skulptur - Anne Harmssen, Christiane Ehrenforth, Thomas Krämer
Tapete - z. Z. unbesetzt  

 

Telefon: (0561) 3 16 80 0
Email: info@museum-kassel.de





© 2010 Museumslandschaft Hessen Kassel (www.museum-kassel.de)
Die Museumslandschaft Hessen Kassel ist eine Einrichtung des Landes Hessen

Diese Seite ausdrucken | Webmaster | Impressum















.