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Prof. Dr. Weber, Leiter der Gemäldegalerie, bei Erläuterungen zum Willem Drosts Noli me tangere. Links die Restauratorin des Gemäldes, Karen Gäbler

30 Jahre nach Säureattentat:
Willem Drosts "Noli me tangere" erstrahlt in neuem Glanz

Über 30 Jahre nach dem Säureattentat auf Bilder der Gemäldegalerie Alte Meister im Museum Schloss Wilhelmshöhe kehrt nun das letzte der damals geschädigten Werke in die Ausstellung zurück. Es handelt sich um ein Werk des Rembrandt-Schülers Willem Drost „Christus erscheint Magdalena als Gärtner“. Das Gemälde war damals durch die Säure so stark beschädigt worden, dass Zweifel bestanden, ob es überhaupt gerettet werden kann. Durch eine aufwendige Restaurierung und partielle Rekonstruktion, die mit Hilfe einer Spende des Fördervereins Rainer Dierichs e.V. finanziert werden konnte, ist dies nun gelungen. Eines der bedeutendsten Werke von Willem Drost ist nun wieder für die Öffentlichkeit in der Gemäldegalerie Alte Meister zugänglich.

Eine Serie von Attentaten auf Kunstwerke in Museen und Kirchen hatte 1977 für Entsetzen gesorgt. Auch vier Werke der Gemäldegalerie Alte Meister wurden geschädigt, darunter der „Jakobssegen“ und das „Selbstbildnis mit Barett und goldener Kette“ von Rembrandt sowie eine Arbeit von Nicolaes Maes und das nun restaurierte Gemälde von Willem Drost. Die Gemälde von Rembrandt und Maes wurden bereits in den Jahren 1978-1982 restauriert und wieder ausstellt. Die Laufspuren der Schwefelsäure konnten retuschiert werden, wesentliche Partien waren ganz verschont geblieben. Im Fall des Bildes von Willem Drost war dies anders.
Das Werk „Christus erscheint Maria Magdalena als Gärtner“ ist eine Darstellung einer biblischen Szene kurz nach der Auferstehung Christi: Als Maria Magdalena ihn erkennt, möchte sie ihn anfassen, doch er weicht mit den Worten „Berühre mich nicht“ zurück. Im morgendlichen Licht erhält die Figur Christi etwas immaterielles, überirdisches, das dieses Gemälde zu einer der eindrucksvollsten Darstellungen des Themas macht. Durch das Säureattentat wurde jedoch u. a. das Gesicht der Christus-Figur fast vollständig zerstört. Eine reine Restaurierung würde nicht ausreichen, um das Bild zu retten. So war die Frage, ob eine derart geschädigte Partie überhaupt rekonstruiert werden konnte und von wem?

Als der Museumsverein Kassel e.V. 2005/2006 die Stifteraktion zum 400. Geburtstag Rembrandts ins Leben rief, kam dieses bedeutende Gemälde Drosts auf die Wunschliste der zu restaurierenden Gemälde. Die verantwortlichen Restauratoren und Kunsthistoriker waren zu der Entscheidung gekommen, das Gesicht von Christus, das der Künstler ohnehin nur verschattet angelegt hatte, doch zu rekonstruieren und die anderen Laufspuren der Säure auszukitten und zu retuschieren. Unter der Fachaufsicht der damaligen kommissarischen Leiterin der Gemälderestaurierungswerkstatt, Pia Maria Hilsenbeck, konnten die Arbeiten durch die Dresdener Diplomrestauratorin Karen Gäbler, die sich schon durch andere hervorragende Rekonstruktionen ausgezeichnet hatte, in der Wilhelmshöher Werkstatt 2006/2007 ausgeführt werden. Die Kosten für die langwierige Restaurierung in Höhe von rund 16250,- € übernahm der Förderverein Rainer Dierichs e.V. Mit dem Abschluss der Restaurierungsarbeiten kehrt nun, über 30 Jahre nach einer Beschädigung mit dem Gemälde eines der wichtigsten Werke des Rembrandt-Schülers Willem Drost in die Gemäldegalerie Alte Meister zurück.
In Folge des Kasseler Attentats konnte der Täter, ein psychisch stark gestörter Mann, im Oktober 1977 festgenommen werden. Heute befindet er sich nach weiteren Angriffen auf Kunstwerke zum wiederholten Mal in Haft.



 


 





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