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30.08.2012

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Schloss Friedrichstein im Glanze des Halbmonds

Museumsfest am Samstag, 1. September 2012

Das osmanische Prunkzelt aus dem 17. Jahrhundert, besser bekannt als „Türkenzelt“, ist zurück in Schloss Friedrichstein. Nach dreijähriger Restaurierung bildet der Publikumsliebling ab 31. August den Höhepunkt der neuen Dauerausstellung „Löwe und Halbmond“. Rund 60 Säbel, Dolche, Bögen, Pfeile und Feuerwaffen aus dem Osmanischen Reich begleiten das textile Meisterwerk in einer eindrucksvollen Neupräsentation. „Wir haben die Restaurierung des Zelts genutzt, um die Räume endlich zu sanieren und ein modernes Ausstellungskonzept zu verwirklichen“, erläutert Dr. Antje Scherner, Leiterin der Sammlung Angewandte Kunst der Museumslandschaft Hessen Kassel und Kuratorin der neuen Dauerausstellung. „Diese Sammlung ist hoch bedeutend, wie unsere Forschungen gezeigt haben, und ich hoffe, es gelingt uns, dies auch dem Besucher zu vermitteln“.

Zentrum der neuen Schau, die sich am angestammten Ort über zwei Ausstellungsräume erstreckt, ist das Prunkzelt. Auf einer eigens entwickelten Stützkonstruktion ruht der 100 kg schwere Stoffriese nun leicht und elegant, ohne dass das historische Gewebe belastet wird. „Die Stoffapplikationen im Inneren des Zelts kommen wunderbar zur Geltung“, freut sich Scherner. Neben dem Prunkzelt bietet ein komplett gerüsteter osmanischer Krieger eine zweite Attraktion der Ausstellung. Er tritt dem Besucher in Kettenhemd, mit Panzerhaube und Armschienen entgegen, die Köcher mit Pfeilen und einem Bogen um die Hüfte gegürtet und den Säbel zum Hieb erhoben. Umgeben ist er von typischen osmanischen Kriegswaffen, den genannten Bögen und Pfeilen, Paradewaffen türkischer Krieger, aber auch Feuerwaffen, die vor allem die Elitetruppe der Janitscharen nutzte, sowie Säbeln, Reiterhämmern und anderen Hieb- und Stichwaffen. Der taktische Vorteil dieser Waffengattungen rückt in der Neupräsentation ebenso in den Blick wie die arabischen Inschriften vielfach religiösen Inhalts, die zahlreiche Waffen zieren. „Gerade die Glaubensvorstellung im Islam, wonach der Ort und Zeitpunkt des Todes gottgegeben, vorherbestimmt und unabänderlich waren, machten osmanische Soldaten zu tapferen, todesmutigen Streitern“, erläutert Scherner. Schließlich kann der Besucher die bis heute beeindruckende handwerkliche Qualität und die kostbaren Materialien der Waffen genauer in den Blick nehmen.

Der kulturgeschichtlich hochinteressante Bestand wurde im Vorfeld der neuen Dauerausstellung wissenschaftlich erforscht, unter anderem in Zusammenarbeit mit der Rüstkammer in Dresden, wo bereits 2010 die Aufsehen erregende „Türckische Cammer“ eröffnet wurde. „Die Zusammenarbeit mit dem Fachkollegen in Dresden, aber auch die Forschungen im Marburger Staatsarchiv haben gezeigt, dass die Sammlung viel älter ist, als wir immer geglaubt haben“, sagt Scherner. Bereits 1572 gelangte ein erster türkischer Flitzbogen samt Pfeilen und Köcher in den Besitz Landgraf Wilhelms IV. von Hessen-Kassel. Im 17. und 18. Jahrhundert kauften die Kasseler Landgrafen weitere Waffen an, erhielten sie zum Geschenk oder als Beuteanteil. „Wir können nicht sicher sagen, in welchem Zusammenhang das Prunkzelt in den Besitz der hessischen Landgrafen kam“, bedauert die Wissenschaftlerin. Es sei aber denkbar, dass es sich um ein Beuteobjekt aus der Einnahme von Belgrad im Jahr 1717 handelt. Landgraf Karl von Hessen-Kassel hatte damals seinen Sohn Maximilian mit einem Regiment hessischer Soldaten auf den Balkan entsandt. Unter dem Kommando des Prinzen Eugen trugen die Hessen tapfer zum Sieg bei, was der berühmte Feldherr in einem Brief an den Kaiser festhielt. Das Zelt könnte daher aus der damaligen Kriegsbeute stammen. „Da Hessen und Waldeck immer wieder Truppen zum Kampf gegen die Osmanen gestellt haben, lässt sich allerdings kaum sagen, wann welche Waffen wirklich erbeutet wurden. Die historischen Inventare schweigen sich darüber leider aus“, sagt Scherner, die weiter darüber forschen will.

Aus Anlass der Neupräsentation erscheint ein reich bebilderter Begleitband, der die bisherigen Ergebnisse zusammenfasst. Er liefert vertiefende Informationen zu den kostbaren Objekten und beleuchtet deren Geschichte. Die Ausstellung und der Katalog laden gleichzeitig ein auf eine Zeitreise in eine Epoche, als das Osmanische Reich das christliche Abendland zwar bedrohte und doch eine unwiderstehliche Faszination ausübte, die bis heute nachwirkt.
Die aufwendige Restaurierung des osmanischen Prunkzeltes wurde ermöglicht durch die überwältigende Spendenbereitschaft von Bürgern und Unternehmen aus Bad Wildungen und der Gemeinschaft der Freunde Schloß Friedrichstein e.V..

Dieses beeindruckende bürgerschaftliche Engagement trägt wesentlich zum zukünftigen Erhalt des herausragenden Sammlungsstückes bei.

Museumsfest auf Schloss Friedrichstein
im Rahmen des Stadtfestes Bad Wildungen
Samstag, 1. September 2012, 13 – 16 Uhr, Eintritt frei

Mit einem bunten Programm wird die Rückkehr des restaurierten „Türkenzeltes“ nach Bad Wildungen und die Neupräsentation der orientalischen Schätze gefeiert.

Den Höhepunkt bildet der Auftritt der Berliner Janitscharen-Kapelle „Berlin Mehter Takim“. Ihre Trompeten, türkischen Oboen, Trommeln, Kesselpauken und Schellen werden für ein ganz besonderes Flair sorgen. Die Rossschweife und Banner sowie die farbenprächtige Kleidung wurden von Experten in Instanbul originalgetreu angefertigt. Führungen durch die Sammlung vermitteln anschauliche Einblicke in die Auseinandersetzungen zwischen Orient und Okzident im 17. und 18. Jahrhundert. In einem Mitmach-Workshop können Kinder Gegenstände basteln, die etwas mit dieser Zeit zu tun haben. Das Café im Schloss Friedrichstein wird Speisen und Getränke anbieten.
Das Museumsfest wird ermöglicht dank der großherzigen Unterstützung der Gemeinschaft der Freunde Schloss Friedrichstein e.V.


Ausstellung Löwe und Halbmond.

Ein Prunkzelt und Waffen aus dem Osmanischen Reich Neupräsentation der Sammlung der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK)
im Schloss Friedrichstein
Schlossstraße 23
34537 Bad Wildungen


Pressekonferenz

30. August 2012, 11 Uhr


Konzeption und Realisierung

Dr. Antje Scherner (Leiterin der Sammlung
Angewandte Kunst der MHK)


Wissenschaftliche Mitarbeit

Ina Brandt, Melanie Zindler


Ausstellungsgestaltung

Kunstgriff - Tewes und Fuchs, Kassel


Katalog

Löwe und Halbmond. Ein Prunkzelt und Waffen aus dem Osmanischen Reich in Schloss Friedrichstein. Hrsg. von der Museumslandschaft Hessen Kassel, 160 Seiten, zahlreiche ganzseitige Farbabbildungen, viele Detailaufnahmen, 14,95 €, Michael Imhof Verlag


Öffnungszeiten

Di – So, Feiertag 10 – 17 Uhr


Besucherinformationen

info@museum-kassel.de
www.museum-kassel.de


Pressefotos

Für Pressefotos und weitere Informationen wenden Sie sich bitte an unsere Pressestelle


Nähkonservierung

Julia Dummer, Katharina Lies, Ines Scholz


Spezielle Reinigung des Zeltes

Hilde Neugebauer, Wien


Neue Stützkonstruktion Entwicklung

Claudia Görges, Überarbeitung und Realisierung
Prof. Dr. Werner Seim, Fachbereich Bauingenieurwesen
Universität Kassel


Kontakt:

Michael Kelbling
Sabina Köhler
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Museumslandschaft Hessen Kassel
Postfach 410420
34066 Kassel
Tel.: 0561 – 31680-143 oder -139
Fax: 0561 – 31680-111
info@museum-kassel.de

 
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  Schloss Friedrichstein im Glanze des Halbmonds
Eine eindrucksvolle Neupräsentation feiert die Rückkehr des „Türkenzelts“
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