Blick von Schloss Wilhelmshöhe auf den Herkules, Foto: MHK, Arno Hensmannsma21983_Slideshow.jpg

der kasseler herkules

Herrschaftsanspruch und stolze Tugend


Mit der kühnen Konstruktion der insgesamt 11,30 Meter großen Herkulesfigur in schwierigster Lage – auf der Spitze einer steilen Pyramide auf einem Grottenbauwerk auf dem Gipfel des Karlsberges – bekrönte Landgraf Carl von Hessen-Kassel seinen Willen, das Unmögliche zu wagen und den Naturgewalten zu trotzen.

Die zwischen 1713 und 1717 geschaffene Figur, eine Kupfertreibarbeit des Augsburger Goldschmieds Johann Jakob Anthoni über einem schmiedeeisernen Traggerüst, ist eine Nachbildung der antiken Skulptur des »Herakles Farnese«, die Landgraf Carl während seiner Italienreise 1700 in Rom gesehen hatte.

Dargestellt ist der ausruhende und über seine zwölf Heldentaten nachdenkende Herkules. Weithin sichtbar soll die monumentale Herkulesstatue die Tugenden eines gerechten und weisen Herrschers und die Allmacht des Landgrafen Carl versinnbildlichen. Über die Achse der Kaskadentreppen ist, ganz im Sinne des absolutistischen Herrschaftsdenkens, eine enge Verbindung hinunter zum Schloss und somit zwischen dem Halbgott und den Hessischen Landgrafen hergestellt.

Die technisch einzigartige Kasseler Herkulesfigur ist ein früher Vorläufer der kupfergetriebenen Statuen des Industriezeitalters wie der New Yorker Freiheitsstatue oder dem Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald. Zum Zeitpunkt ihrer Entstehung war die für Zeitgenossen riesig und übermenschlich erscheinende Monumentalplastik auf dem Karlsberg die qualitätsvollste aus Kupfer getriebenen Großskulptur der Erde.