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Domenico Tintoretto, Weibliches Bildnis, um 1580-90, MHK, Gemäldegalerie Alte Meister, Foto: MHK, Arno Hensmanns

kassel - bad wildungen - new york

Die Rückkehr der venezianischen Dame

Kabinettausstellung im Schloss Wilhelmshöhe 10. März bis 29. November 2015

Anlässlich der Rückkehr des seit 1945 vermissten »Weiblichen Bildnisses« in die Gemäldegalerie Alte Meister, wirft die Museumslandschaft Hessen Kassel einen Blick auf ein bislang wenig beachtetes Kapitel der Kasseler Museumsgeschichte. In der Kabinettausstellung werden die kriegsbedingte Auslagerung, der Verlust und die Wiedergewinnung der Kasseler Kunstschätze thematisiert. Wiedergewonnene Gemälde, Auslagerungslisten und Schriftwechsel mit der Militärbehörde veranschaulichen, wie komplex die Museumsgeschichte der Nachkriegszeit ist und über welche Irrwege die wiedergewonnenen Bilder zurück nach Kassel fanden.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden wertvolle Kunstwerke in sichere Auslagerungsorte, wie den Reichsbahnbunker in Kassel eingelagert. Andere gelangten in Auslagerungsorte außerhalb der Stadt, unter anderem in das Kunsthistorische Museum Wien. Der planmäßige Ausbau von Bunkeranlagen in Bad Wildungen ermöglichte 1941 die Auslagerung von 68 Gemälden in den Luftschutzkeller der dortigen Kurverwaltung.

Zum Verlust der Gemälde kam es, als Ende März 1945 amerikanische Truppen in Bad Wildungen einmarschierten und die dortige Verwaltung übernahmen. Die darauffolgenden Plünderungen sowohl seitens der Zivilbevölkerung als auch durch amerikanische Soldaten sind im Einzelnen jedoch nicht mehr zu rekonstruieren.

Die Wiedergewinnung begann 1973 als erste aus Bad Wildungen entwendete Gemälde im amerikanischen Kunsthandel auftauchten. Drei Gemälde von Caspar Netscher, Cornelis de Heem und Justus Juncker, die bei Sotheby’s in New York versteigert wurden, konnten 1974 durch Intervention des Auswärtigen Amtes für Kassel wiedergewonnen werden. Auch 1981 und 1986 gelang die Rückkehr von Kasseler Gemälden. In anderen Fällen hingegen scheiterte die Wiedergewinnung, unter anderem an den hohen Forderungen der Besitzer. Im Februar 2015 wurde schließlich, dank Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die Rückkehr der venezianischen Dame ermöglicht – einem weiblichen Bildnis, das vermutlich dem Umkreis Domenico Tintorettos zugeschrieben werden kann.

Bis heute fehlen noch neun Gemälde aus dem Bad Wildunger Auslagerungsort in der Kurverwaltung. Sie sind zusammen mit anderen Kasseler Kriegsverlusten in der Datenbank www.lostart.de registriert.